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Kambrium | vor 545-495 Mio. Jahren

 

Der Name "Kambrium", deutsch für das englische "Cambrian", leitet sich aus dem lateinischen Wort für "Cambria" für das heutige Wales ab. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Wales ein Schwerpunkt der Forschung, und ein britischer Geologe hatte dort Schichten aus dieser Zeit gefunden.

Zu Beginn des Kambriums gab es die Ur-Kontinente Gondwana (Antarktis, Afrika, Südamerika, Indien, Australien), Baltica (Nordeuropa und Teile Mitteleuropas), Sibiria und Laurentia (Nordamerika). Das Gebiet des heutigen Deutschlands lag in Baltica, auf der Südhalbkugel und war vom Meer bedeckt. Unsere heutigen Breitengrade waren von einem gewaltigen Urozean bedeckt. Es war warm, die Gletscher schmolzen ab und der Meeresspiegel stieg, so dass weite Regionen der Urkontinente überflutet waren. 

Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre stieg weiter. Nach Millionen von Jahren der Fotosynthese war ausreichend Sauerstoff in die Atmosphäre gelangt und eine "die Entwicklung des Lebens schützende" (*) Ozonschicht war entstanden. Jetzt waren Meerestiere nicht nur in der Tiefsee, sondern auch gleich unter der Wasseroberfläche vor den schädlichen Sonnenstrahlen geschützt.  Heute wissen wir, dass das Leben schon am Ende des Proterozoikums in den Meeren seinen Durchbruch schaffte. Im Kambrium entwickelte sich in den warmen, lichtdurchfluteten Meeren in kurzer Zeit eine unglaubliche Vielfalt kleiner, wirbelloser Tiere ("Kambrische Explosion" oder neuer "Kambrische Radiation"). Von ihnen sind uns Fossilien erhalten geblieben, denn sie hatten ein hartes Skelett oder eine Schale. Vielleicht sind uns hier Tiere überliefert, die schon Vorfahren im Proterozoikum hatten.

Die vielleicht berühmteste Fundstelle aus dem Kambrium ist der Burgess-Schiefer in Kanada. Hier sehen wir Meerestiere unterschiedlicher Art, die uns heute seltsam vorkommen: Trilobiten (rechts), die auf dem Meeresboden lebten, Schwämme, pflanzenähnliche Tiere, räuberisch lebende Würmer und Tiere wie die Hallucigenia, die uns heute so seltsam anmutet, dass die Wissenschaftler nicht sicher sagen können, wo bei ihr oben und unten, und wo vorne und hinten ist. 

Pikaia, ein kleines, schwimmendes Tier, war vielleicht der früheste Verwandte der Wirbeltiere, zu denen wir ja auch gehören. Es hatte zwar noch keine Wirbelsäule, wohl aber einen langen, versteiften Stab im Rücken und einen Nervenstrang, deshalb zählt man es zu den Chorda-Tieren, die im Stammbaum der Tierwelt gleich neben den Wirbeltieren liegen.

Am Ende des Kambriums begann wieder eine Eiszeit, immer mehr Wasser fror in Gletschern fest und der Meeresspiegel sank. 

(*) Diesen Ausdruck habe ich vom Geologischen Dienst NRW übernommen:  Klima- und Erdgeschichte in Nordrhein-Westfalen

Quellen
Das Foto des Trilobiten basiert  auf dem nachfolgend aufgeführten Bild aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Urheber